Freitag, 12. Juni 2026

Wird die Tragfähigkeit der oft erwähnten Regenbogenbrücke eigentlich auch überprüft ???

Es war einmal die berühmte Regenbogenbrücke, ein ehrwürdiges Bauwerk zwischen den Welten. Seit Generationen überquerten Hunde, Katzen, Kaninchen und zahllose andere verstorbene Tiere die schillernde Brücke auf ihrem Weg zu den ewigen Wiesen.

Doch die Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen. Hier ein Riss, dort etwas Rost, und an manchen Stellen fehlte schon mehr Farbe als Beton. Nicht nur die Tiere tuschelten besorgt.

„Hat denn niemand nach der Brücke geschaut?“, fragte der alte Bernhardiner Bruno.

Eines Tages erschienen feierlich die Experten von Straßen ins Jenseits  und der Autobahn Wartung. Ausgerüstet mit Klemmbrettern, Messgeräten und Warnwesten untersuchten sie die Konstruktion.

Nach zahlreichen Sitzungen, Gutachten, Arbeitskreisen und einer Präsentation mit 148 Powerpoint-Folien verkündeten sie:

„Die Tragfähigkeit ist grundsätzlich gegeben. Allerdings wird die Regenbogenbrücke vorsorglich zunächst für Großtiere gesperrt. Nutzbar ist diese Brücke ja eh nur in eine Richtung“

Daraufhin stellte man ein neues Schild auf:

„Für Großtiere gesperrt“

Der Elefant Erwin, der gerade nach einem langen Leben angekommen war, blieb verwundert stehen.

„Und was mache ich jetzt?“

„Bitte haben Sie Verständnis“, erklärte ein Sprecher. „Politik und Wirtschaft arbeiten bereits an tragfähigen Konzepten und Lösungen.“

„Wann?“, fragte Erwin.

„Sobald die Machbarkeitsstudie für den Vorentwurf der Grundlagenplanung der vorbereitenden Sanierungsstrategie abgeschlossen ist.“

„Und wann ist das?“

„Voraussichtlich nach Abschluss der Abstimmungen über die Terminplanung für die Ausschreibung der Voruntersuchungen.“

Der Elefant seufzte und setzte sich neben die Giraffe Gertrud und das Nashorn Norbert, die ebenfalls vor dem Schild warteten.

Inzwischen wurden zahlreiche Arbeitsgruppen gegründet. Vertreter aus Politik und Wirtschaft präsentierten ehrgeizige Pläne:

- eine nachhaltige Brückensanierung,

- eine innovative Tierverkehrsstrategie,

- ein Kompetenzzentrum für Regenbogeninfrastruktur,

sowie einen Runden Tisch „Zukunft der Jenseitsmobilität“.

Die Presse sprach von einem „historischen Meilenstein“.

Währenddessen überquerten weiterhin Mäuse, Hamster und Wellensittiche unbehelligt die alte Brücke. Nur vor dem Schild für Großtiere wurde die Warteschlange immer länger.

Der Elefant Erwin blickte eines Abends auf die funkelnde Brücke und murmelte:

„Vielleicht erleben wir die Sanierung ja noch …“

Das Nashorn Norbert nickte, das Pferd Jumper gab sich skeptisch.

„Bestimmt. Immerhin arbeiten sie bereits an den Plänen für die Planung der Planungen.“

Und so warteten die Großtiere geduldig weiter – ganz im Vertrauen darauf, dass irgendwann zwischen Gutachten, Arbeitskreisen und Pressekonferenzen vielleicht sogar eine Brücke repariert werden könnte.


Die Brandmauer

Sonntag, 7. Juni 2026

HSD - Traut Euch normal zu sein

 Es war ein historischer Tag. Zum allerersten Mal fand in der Innenstadt der HSD statt – der Hetero Street Day. Unter dem Motto „Traut euch, normal zu sein!“ formierte sich die am längsten übersehene Randgruppe der Gesellschaft: die absolute, unausweichliche Mehrheit.



Thorsten (46, Abteilungsleiter, verheiratet, zwei Kinder) stand an der Spitze des Zuges. Sein Herz klopfte unter dem Camp-David-Hemd. Mit zitternden Händen hielt er die eigens entworfene Straight-Pride-Flagge in den Wind: drei querverlaufende Streifen in Beige, Graumeliert und Anthrazit.

„Beige steht für unsere Bausparverträge“, erklärte Thorsten einer verblüfften Passantin per Megafon, „Graumeliert für das Wetter an unseren Nordsee-Urlauben und Anthrazit für den perfekten Vorwerk-Teppich.“

Die Atmosphäre war elektrisierend, aber stets im Rahmen der gesetzlichen Lärmschutzverordnungen. Statt wummernder Techno-Beats von riesigen Trucks rollte der Zug in einer Kolonne von frisch gewaschenen, mittelgrauen VW Passat und Skoda Octavia (Kombi) durch die Straßen. Aus den leicht geöffneten Fenstern schallte mutig und unzensiert Mark Forster, unterbrochen von den stündlichen Verkehrsnachrichten von SWR3.

Auf dem ersten Wagen, der eigentlich nur ein Anhänger des örtlichen Baumarktes war, tanzten Sabine und Michael. Sie trugen den ultimativen Ausdruck ihrer sexuellen und romantischen Identität: die aquamarinblaue Jack-Wolfskin-Partnerjacke. „Wir zeigen uns heute, wie wir wirklich sind!“, rief Sabine und schwenkte eine Bratwurstzange. „Wir lassen uns nicht mehr vorschreiben, dass Paartanzkurse am Freitagabend uncool seien! Wir sind hier, wir sind laut, weil wir grad ein Eigenheim gebaut!“

Die Schilder der Demonstranten erzählten von jahrzehntelangem Leid und den täglichen Mikroaggressionen, denen Heterosexuelle in modernen Großstädten ausgesetzt sind:

  • „Mein Körper, meine Entscheidung: Ich trinke Kuhmilch in meinem Filterkaffee!“
  • „Stoppt die Diskriminierung: Missionarstellung ist auch eine Stellung!“
  • „Gegen die Spaltung der Gesellschaft – für die Ehegattensplitting!“
  • „Thermomix-Rezepte sind Kultur!“

Thorsten erinnerte sich an sein eigenes Coming-out. Wie schwer es gewesen war. „Mama, Papa…“, hatte er damals am Küchentisch gesagt, „ich muss euch etwas sagen. Ich… ich fühle mich zu Frauen hingezogen. Ich möchte später mal heiraten, ein Reihenhaus erwerben, den Rasen am Samstagmorgen mähen und jeden Sonntag um 20:15 Uhr still beim Tatort auf dem Sofa sitzen.“ Seine Eltern hatten geweint. Vor Erleichterung.

Doch draußen in der Welt war es härter. Erst gestern wurde Thorsten in einem hippen Szene-Café schräg von der Seite angesehen, als er nach einem „ganz normalen Stück Käsekuchen ohne dieses vegane Gedöns“ fragte. Es war dieser stürmische Gegenwind der Moderne, der die Heteros heute auf die Straße trieb.

Gegen 15:30 Uhr erreichte der HSD seinen Höhepunkt: Ein emotionales „Gender-Reveal-Ritual“ mitten auf dem Marktplatz. Aus einer unscheinbaren Pappschachtel wurden rosa und hellblaue Luftballons in den Himmel entlassen, während die Menge ergriffen klatschte. „Jungs spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen!“, rief ein Mann im Hintergrund tief bewegt und wischte sich eine Träne aus den Augen. „Dass man das heute noch so offen sagen darf… Danke, HSD!“

Der Demonstrationszug verlief völlig friedlich. Es gab keine Eskalationen, auch weil das Ordnungsamt nicht eingreifen musste – die Demonstrationsteilnehmer hatten sich bereits auf dem Hinweg bei Rot an den Fußgängerampeln aufgereiht.

Pünktlich um 17:45 Uhr wurde die Demonstration offiziell für beendet erklärt. Nicht etwa, weil die Energie nachließ, sondern weil das Abendbrot rief. Man hatte schließlich schon vor Wochen einen Tisch beim Lieblings-Italiener „Da Mario“ reserviert, und wenn man nach 18:30 Uhr anruft, ist es dort immer so laut.

Thorsten faltete die beige-grau-anthrazite Flagge akkurat auf DIN-A4-Größe zusammen und legte sie in den Kofferraum seines Kombis. Er lächelte seine Sabine an. „Weißt du was, Schatz?“, sagte er. „Was denn?“, fragte sie und reichte ihm ein zuckerfreies Pfefferminz. „Nächstes Jahr… nächstes Jahr kommen wir mit dem E-Bike zur Parade.“

Sabine nickte stolz. Die Revolution hatte gerade erst begonnen.


Die Brandmauer

Donnerstag, 28. Mai 2026

Ursache des Brandes: Genügend brennbares Material, ausreichend Sauerstoff und ein Funke (oder: Dumme Menschen)

An jenem Samstag, an dem die Sonne so gnadenlos brannte, dass selbst Teerpappen um Gnade winselten und Parkuhren Sonnencreme verlangten, rollte eine Kolonne hochbegabter Brandschutztheoretiker durchs Land. Sie trugen die Insignien ihrer Zunft: Sonnenbrille in der Stirn, Ellenbogen im Fahrtwind, und zwischen den Fingern jene brennende Fußnote der Zivilisation, die Zigarette.


Vorneweg saß Kevin-Ohne-Aschenbecher. Kevin wusste, was Verantwortung ist: „Sicher entsorgen“, murmelte er, kurbelte das Fenster herunter wie ein Pilot die Landeklappen – und schnippte die glühende Philosophierute ins goldene Kornfeld. Schließlich ist Mutter Natur ja bekanntlich aschegrau eingerichtet und trägt gern Feuerspuren, das macht so eine Fläche erst „lebendig“. Hinter ihm applaudierte das Navi mit einer Routen-Neuberechnung direkt in die Feuerwehrzufahrt.


Im zweiten Wagen fuhr Mandy-Meteorologin, die Wetterkunde auf TikTok studiert hatte. „Trockenheit? Quatsch. Wenn’s heiß ist, schwitzen die Bäume doch, das kühlt!“ sagte sie, zog genüsslich, und die Eiche am Straßenrand verkniff sich höflich den Schweiß, weil Holz bekanntlich eine eher trockene Persönlichkeit hat. Mandy schnippte ihren Stummel hinaus – ein kleines, rot glühendes Dankeschön an den Photosynthese-Service. „Win-win“, erklärte sie, während hinter ihr das Feld die Kündigung an den Sommerurlaub schrieb.


Im Wald stand zur gleichen Zeit Ronny-Romantik. Er hatte sich den Ort sorgsam ausgesucht: direkt unter einer Fichtenkollektion, die seit Wochen nur noch aus Zellulose und Hoffnung bestand. Er pustete Rauchkringel in die Baumkronen, als wären es Liebesbriefe an die Feuerwehr. „Natur braucht Feuer, guck mal Australien – voll modern da“, flüsterte er und steckte seine Kippe in ein Bett aus knusprigem Nadelteppich, das knisterte wie Applaus bei einer Brandschutzerklärung von einer Kerze.


Auf der Lichtung tagte der Große Rat der Vernunft: eine durstige Wasserflasche, ein leeres Aschenbecher-Schild und ein Feuerlöscher auf Krücken. „Wir sind hier die Minderheit“, seufzte der Feuerlöscher und hustete trocken. Ein Specht trommelte SOS in die Stille, doch die Menschen hörten nur ihre eigene Coolness, die lauter war als jeder Vogel und dümmer als jeder Stein.


Kevin-Ohne-Aschenbecher fuhr inzwischen weiter und erklärte seinem Beifahrer die Physik: „Vom Wind geht’s aus.“ Genau in dem Moment entschied sich der Wind, ein Praktikum als Brandbeschleuniger anzutreten, und trug die Glut liebevoll über die Felder, als wäre sie ein VIP-Gast ohne Ticket. Der erste Rauchfaden stieg auf wie eine Frage an die Menschheit: Wirklich jetzt?


Mandy-Meteorologin hielt an, um ein Selfie zu machen. „Hot girl summer“, schrieb sie unter das Foto, auf dem hinter ihr ein Horizont die Stirn runzelte. Ronny-Romantik tippte eine Rezension: „Wald angenehm warm, riecht nach Lagerfeuer, fünf Sterne, komme wieder.“ Die Bäume klatschten erneut, mit Funken.


Dann tauchten sie auf: die roten Autos, jene unbezahlten Geduldspädagogen auf Rädern. Menschen in Schutzkleidung, die bei 36 Grad taten, was Erwachsene tun, wenn Kinder mit Streichhölzern spielen und „Physik“ rufen. Sie legten Schläuche wie Nervenbahnen über die Felder, gaben dem Feuer Wasser zum Trinken und der Dummheit eine schweigende Ohrfeige. Kevin blinzelte in den Blaulichttakt und hatte plötzlich sehr viel Durst nach Ausreden. Mandy schob die Sonnenbrille hoch und tat so, als hätte sie nur Wolken studiert. Ronny kickte verlegen seinen Aschenhaufen unter eine Wurzel – die Wurzel schob ihn postwendend wieder hervor. Pflanzen haben kein Gesicht, aber manche Blicke brennen.


Eine alte Frau stand barfuß vorm Gartenzaun, hielt einen Gartenschlauch wie eine zarte Lanze und flüsterte etwas, das man nur hört, wenn man schon mal etwas verloren hat: „Ein Funke reicht.“ Es klang nicht wie Moral, eher wie Mathematik.


Später, als der Rauch in dünne Reue zerfiel und die Medien das Wort „mutmaßlich“ in die Mikrofone legten wie ein Feigenblatt für die Wirklichkeit, standen unsere drei Spezialisten am Straßenrand. Kevin betrachtete die Brandnarbe im Feld, einen schiefen Halbmond, der aussah wie ein schlechtes Tattoo: Dummheit in Kursiv. Mandy googelte „Wie löscht man Klima?“, fand aber nur Treffer zu Klimaanlagen. Ronny hielt die letzte Zigarette in der Hand, als wäre sie plötzlich schwer geworden – ein kleines, graues Urteil mit Filter.


„War doch nur ein Stummel“, sagte Kevin endlich, die vier Worte, mit denen sich die Menschheit bereits Berge und Meere erklärt hat. Die alte Frau drehte den Wasserhahn zu und antwortete nicht. Stattdessen sprach die Stille, und sie sagte sehr deutlich: Nur ist das Lieblingswort des Feuers. Nur ein Funke. Nur ein Windstoß. Nur ein Sommer.


In der Ferne hing ein neues Schild am Waldrand. Keine Paragrafen, keine Drohungen, nur ein Satz, groß genug, um aus fahrenden Autos verstanden zu werden:


Bitte schmeiß deine Glut gleich auf dein Sofa. Ist kürzerer Dienstweg zur Feuerwehr.


Die Brandmauer

Mittwoch, 27. Mai 2026

Drei Fragen, ein Leben ... und die Smartwatch


Warum wird der Mensch geboren? 

Weil das Universum einen schlechten Sinn für Humor hat und die Personalabteilung der Existenz chronisch unterbesetzt ist. Irgendjemand muss ja die Steuererklärungen ausfüllen, die Staubschichten vererben und die Kaffeemaschinen entkalken. Außerdem braucht die Statistik neue Datensätze für “durchschnittliche Pendelzeit” und “Anzahl ungenutzter Fitnessabos”.

Warum stirbt der Mensch? 

Weil die Garantie abläuft, die Ersatzteile teuer sind und die Bedienungsanleitung in 12 Sprachen vorliegt, aber nie in der, in der das Leben gerade Fragen stellt. Und ganz ehrlich: Nach Jahrzehnten Straßenverkehr im Berufsverkehr hat selbst die Unsterblichkeit Burnout.

Warum trägt er in der Zwischenzeit eine Smartwatch? 

Weil nichts so sehr nach Sinn klingt wie ein Vibrationsalarm, der uns daran erinnert, aufzustehen, während wir sitzen, um Geld zu verdienen, das nicht reicht, um uns hinzulegen. Die Smartwatch zählt unsere Schritte, damit wir merken, dass wir im Kreis laufen. Sie misst den Puls, wenn die Steuerlast uns den Blutdruck hochtreibt, und lobt uns für 10.000 Schritte – die Hälfte davon im Amt auf der Suche nach Zimmer 3.14, das es nur donnerstags zwischen 9:07 und 9:11 gibt.

Über die Arbeit 

Man arbeitet, um zu leben, lebt, um zu arbeiten, und arbeitet dann nochmals, um die Arbeit zu rechtfertigen: Meetings über Meetings, in denen die Folie “Work-Life-Balance” mit 10-Punkt-Schrift erklärt, wie man mit 60 Stunden die 40-Stunden-Woche spürt. Der Lohn? Reicht, um den Kühlschrank zu füllen, die Motivation aber bleibt im Dispo. Am Monatsende sagt das Konto: “Charakterbildung statt Kapitalbildung.” Die Karriereleiter ist übrigens eher ein Hamsterrad mit Geländer.


Über die Steuer 

Der Staat ist wie ein großzügiger Onkel, der dir 100 Euro zum Geburtstag schenkt und später eine Rechnung über 120 schickt – mit freundlichen Grüßen und dem Hinweis, dass die Straßenlaterne vor deiner Haustür jetzt energieeffizienter flackert. Man zahlt Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Energiesteuer, CO₂-Preis und eine Abgabe auf das Gefühl, gerade genug verdient zu haben, um zu merken, dass es nicht genug ist. Steuern sind die Kunst, gemeinsam das zu finanzieren, worüber man sich dann im Stau aufregt.


Über den Straßenverkehr 

Die Straße ist ein mobiles Soziologie-Seminar: Alle sind zu langsam, außer einem selbst; alle sind rücksichtslos, außer einem selbst; und alle sind genervt – inklusive einem selbst. Die Ampelphasen wurden entworfen, um Geduld zu lehren, aber der Bus kommt immer dann, wenn die Smartwatch meldet: “Puls zu hoch, bitte atmen.” Radfahrende lernen Geometrie an SUV-Spiegeln, Autofahrende üben Tetris auf Parkplatzflächen, und die Bahn hält pünktlich – nur halt am falschen Bahnhof. Pendeln heißt: Du wohnst da, wo du schläfst, und lebst da, wo du arbeitest.


Über Konsum und Sinn 

Wir kaufen Dinge, um Zeit zu sparen, damit wir mehr Zeit haben, um Dinge zu kaufen. Minimalismus ist das neue Maximalismus: weniger besitzen, aber in Premium. Die Smartwatch teilt mit, dass unser Schlaf “mäßig” war – beruhigend, endlich eine Kennzahl für das diffuse Gefühl, seit 2016 müde zu sein. Und wenn die Watch merkt, dass wir traurig sind, empfiehlt sie: “Atemübung – oder 20% Rabatt auf neue Armbänder.”


Über Gesundheit 

Gesundheit ist, wenn die Schritte grün, der Schlaf blau und die Steuerbescheide noch ungeöffnet sind. Man trinkt Ingwerwasser gegen die Weltlage, Magnesium gegen Meetings und hofft, dass das nächste Update die Müdigkeit fixt. “Bitte heute 8.000 Schritte!” – kein Problem: 6.000 im Büro, 2.000 innerlich.


Über Politik 

Alle wollen die Mitte, niemand weiß, wo sie parkt. Die eine Hälfte verspricht Entlastung, die andere liefert Belege. Man debattiert über Brücken, die erst gebaut werden, nachdem sie gesperrt sind, und darüber, ob Digitalisierung ein WLAN-Passwort oder ein Glaubensbekenntnis ist. Am Ende gibt’s einen runden Tisch – quadratisch, praktisch, folgenlos.


Über das große Ganze Die drei großen Fragen bleiben:


Warum geboren? Damit jemand den Akkustand meldet.

Warum sterben? Damit wir aufhören, den Akkustand zu melden.

Warum Smartwatch? Damit zwischen “Hallo Welt” und “Licht aus” jemand piept, wenn wir das Atmen vergessen.

Und zwischendrin? 

Wir arbeiten zu viel für zu wenig, zahlen dafür ordentlich, stehen im Stau, zählen Schritte, streiten über Prozentpunkte und finden genau in den fünf Minuten, in denen das Licht schön fällt, den Moment, in dem alles Sinn macht: ein Lachen am Küchentisch, eine leere Straße im Morgengrauen, ein Kaffee, der ausnahmsweise nach Zukunft schmeckt. Die Watch summt: “Ziel erreicht.” Für einmal hat sie recht.


Die Brandmauer

Freitag, 15. Mai 2026

Germany - One Point - der ESC steht vor der Tür

Der Eurovision Song Contest, kurz ESC, ist ja mittlerweile weniger ein Liederwettbewerb als eine geopolitische Gruppentherapie mit Nebelmaschine. Besonders schön sieht man das am ehemaligen Jugoslawien: Einst ein einziges Land, heute sechs – alle mit eigener Flagge, eigener Startnummer und eigener, sagen wir, sehr kreativer Vorstellung von musikalischer Qualität. Immerhin schießen sie nicht mehr aufeinander, sondern nur noch mit Punkten oder deren dramatischer Verweigerung.




Drei davon – Serbien, Montenegro und Kroatien – dürfen dieses Jahr immerhin auftreten und der Welt ihre Werke präsentieren. Slowenien hingegen hat abgesagt, genauso wie die Niederlande, Spanien, Irland und Island. Vielleicht Protest, vielleicht Müdigkeit, vielleicht pure Einsicht.

Über die musikalischen Einlagen lässt sich ja ohnehin vortrefflich streiten. Manche nennen es Vielfalt, andere mutige Kunst, wieder andere schlicht einen Angriff auf das eigene Trommelfell. Und am Ende gewinnt traditionell der Beitrag, der am meisten Stirnrunzeln verursacht – ein Lied, das selbst die Jury nur mit zusammengebissenen Zähnen „innovativ“ nennt.

Kurz: Der ESC bleibt das, was er immer war – ein glitzernder Jahrmarkt zwischen Genie, Wahnsinn und diplomatischer Schadensbegrenzung.


Die Brandmauer

Mittwoch, 13. Mai 2026

EILMELDUNG: 1000 Euro - ADE


 

"Solarenergie? War gestern! Heute gilt: Selber schuld, wer uns geglaubt hat"

Ein Lehrstück in politischer Gedächtniskunst

Erinnern Sie sich noch? An diese goldenen Jahre, als Deutschland im Solarfieber lag? Als Ministerien Hochglanzbroschüren druckten, auf denen fröhliche Familien unter glänzenden Solarpanels in die Kamera strahlten? Als jeder Talkshow-Gast beteuerte, wer jetzt nicht investiere, sei praktisch ein Klimaterrorist mit Eigenheim?





Die Botschaft war so klar wie eine frisch geputzte Photovoltaikzelle: "Kauft Solaranlagen! Rettet die Welt! Werdet Helden mit Dachziegel!"


Und die Bürger? Die haben's getan. Brav. Kredite aufgenommen, Dächer zugepflastert, Excel-Tabellen mit Amortisationsrechnungen gefüllt. Manche haben sogar den Urlaub gestrichen – für die Energiewende! Für die Zukunft! Für die versprochene Einspeisevergütung, die so sicher war wie das Amen in der Kirche.


Und jetzt?

Jetzt kommt Katherina R. um die Ecke und verkündet mit der Leichtigkeit einer Wetteransagerin: "Die Vergütung reicht jetzt."

Ach so. Reicht jetzt. Verstehe.

Das ist ungefähr so, als würde man jemandem jahrelang zureden, Marathon zu laufen, ihm Laufschuhe schenken, ihn anfeuern – und bei Kilometer 35 rufen: "Weißt du was? Zieleinlauf gibt's nicht mehr. War zu teuer. Aber danke fürs Schwitzen!"


Das Versuchskaninchen darf vom Laufrad steigen

Frau R. verkörpert damit das Beste, was deutsche Politik zu bieten hat: die Fähigkeit, mit ernster Miene das genaue Gegenteil von gestern zu verkünden, als wäre das der Plan gewesen. Jahrelang wurde den Menschen erklärt, ohne Solaranlage sei man moralisch etwa auf dem Niveau eines SUV-fahrenden Plastiktüten-Sammlers. Wer investierte, war ein Held. Wer zögerte, wurde schief angeschaut.

Und kaum haben Hunderttausende ihr Erspartes in diese "sichere Zukunft" gesteckt, entdeckt die Politik ihre Leidenschaft für den Rückwärtsgang. Mit Vollgas.


Die neue Formel lautet:

  • Montag: Fördern!
  • Mittwoch: Vergessen!
  • Freitag: Für beendet erklären!
  • Sonntag: Überrascht sein, dass Leute sauer sind.

Das ist keine Wirtschaftspolitik. Das ist politisches Improvisationstheater. Nur ohne Applaus.


"Tja, dumm gelaufen" – die neue Planungssicherheit

Besonders charmant ist die Botschaft an all jene, die tatsächlich an die Versprechen geglaubt haben. Menschen, die nicht spekuliert, sondern vertraut haben. Die dachten, wenn der Staat sagt "Macht das!", dann meint er das auch länger als bis zur nächsten Haushaltskrise.

Diese Menschen dürfen jetzt lernen: Politische Zusagen haben ein Verfallsdatum. Wie Joghurt im Sonderangebot. Nur dass man bei Joghurt wenigstens vorher das Datum lesen kann.


Die Sonne schickt keine Rechnung. Aber auch keine Vergütung mehr.

Früher hieß es: "Die Sonne schickt keine Rechnung!" Heute müsste man ergänzen: "Aber der Staat schickt auch keine Vergütung mehr. Überraschung!"

Wer soll denn künftig noch investieren? In Wärmepumpen? In Infrastruktur? In irgendwas, das länger hält als eine Legislaturperiode? Wer nimmt einen 20-Jahre-Kredit auf, wenn die Politik alle fünf Jahre würfelt, welche Versprechen noch gelten?


Das Prinzip ist genial einfach:

  1. Moralisch aufladen
  2. Milliarden verschieben
  3. Bürger investieren lassen
  4. Später überrascht tun
  5. Wiederholen

Fazit: Vertrauen ist was für Anfänger

Wenn Verlässlichkeit zum politischen Wegwerfartikel wird, dann ist nicht der Bürger das Problem. Dann ist die Politik zur Zumutung geworden.

Aber hey, vielleicht ist das ja der Plan: Wer künftig noch staatlichen Versprechen glaubt, ist selber schuld. Eigenverantwortung nennt man das. Oder politische Gedächtniskunst.

Die nächste Kampagne kommt bestimmt. Vielleicht für Windräder im Vorgarten. Oder Gezeitenkraftwerke in der Badewanne.

Nur eines ist sicher: In zehn Jahren wird man sich wundern, warum niemand mehr mitmacht.


Die Brandmauer

Wird die Tragfähigkeit der oft erwähnten Regenbogenbrücke eigentlich auch überprüft ???

Es war einmal die berühmte Regenbogenbrücke, ein ehrwürdiges Bauwerk zwischen den Welten. Seit Generationen überquerten Hunde, Katzen, Kanin...