Mittwoch, 29. April 2026

Zuckersteuer schützt die Bürger vor sich selbst ...

 Die Bundesregierung erklärt stolz: Die neue Zuckersteuer schützt die Bürger vor sich selbst!“

Endlich, sagen viele, denn wer kennt es nicht: Man wacht morgens auf, greift verschlafen zur Cola, und plötzlich – zack – Diabetes, bevor der Kaffee überhaupt durchgelaufen ist.


Künftig kostet der Softdrink also ein paar Cent mehr. Das soll uns alle dazu bringen, endlich verantwortungsbewusst zu leben. Eine Zuckersteuer! Warum nicht gleich eine Steuer auf schlechte Laune oder ungebügelte Hemden - oder auf Dachziegel ? Vielleicht wird irgendwann auch der zweite Kuchen am Buffet automatisch vom Finanzamt registriert – ein freundliches Blinken: „Dieser Bissen wurde dem Staat gemeldet.“

Die Lobby der Süßwarenindustrie zeigt sich indes „tief besorgt“. Nicht etwa um die Bevölkerung, nein – um die Produktinnovationen. Wie soll man jetzt noch einen Riegel entwickeln, der zu 70 Prozent aus Zucker besteht und zu 30 Prozent aus Marketing? Man könne ja versuchen, Stevia reinzumischen, aber dann schmeckt der Riegel „nicht mehr authentisch“. Authentisch wie ein Zuckerschock eben.

Und die Bürger? Die stehen im Supermarkt und rechnen: „Okay, der Liter Cola kostet jetzt 20 Cent mehr… dafür spare ich auf lange Sicht vielleicht ein neues Knie.“
Andere wiederum wittern eine Verschwörung: „Erst nehmen sie uns den Zucker – als Nächstes verbieten sie Glück!“

Aber keine Sorge: Experten beruhigen bereits. Die Steuer werde zwar „verhaltenslenkend“ wirken, aber „in moderatem Maße“. Übersetzt heißt das: Wir zahlen mehr, konsumieren aber trotzdem. Eine perfekte Kombination aus moralischer Überlegenheit und zusätzlichem Staatseinkommen. Win‑win – nur nicht für den Blutzucker.


Die Brandmauer

Montag, 27. April 2026

Heute schon .... geblinkt ?

 



Der Blinker ist ja längst kein simples Fahrzeugteil mehr, sondern ein Symbol – für Hoffnung, Verzweiflung und die völlig überschätzte Idee, anderen mitzuteilen, was man vorhat. Während manche Menschen von Depressionen zerdrückt werden und sich fragen, wozu sie überhaupt noch aufstehen sollen, gibt es irgendwo in einem Werk für PKW diesen einen Arbeiter, der stoisch, beinahe heldenhaft, wieder einen Blinker in einen Neuwagen einbaut. Klack. Ein Licht geht auf – wenn schon nicht im Leben der Betroffenen, dann wenigstens am Kotflügel eines SUV. Trost kann so seltsam aussehen.


Und dann die datenschutzrechtliche Revolution: „Blinken? Es geht niemandem etwas an, wo ich hin will.“ Absolut richtig. Man ist schließlich kein offener Google-Maps-Eintrag, sondern ein souveräner Bürger, der seine Richtungsentscheidungen geheim hält wie eine Staatsaffäre. Der Blinker – offiziell fürs Abbiegen gedacht, praktisch aber die letzte Bastion persönlicher Freiheit.

Dabei ist das „Nichtblinken“ längst Volkssport. Ein gesellschaftliches Spiel, ähnlich wie Sudoku – nur mit höherem Adrenalinspiegel. Für die hinterherfahrenden Familien ist es eine wunderschöne Gelegenheit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Papa fährt, Mama hält sich an der Kopfstütze fest, die Kinder kreischen: „Ich glaube links!“ – „Nein, rechts, rechts!“ – „Vielleicht fährt er einfach mitten rein!“ Es ist Qualitätszeit, wie man sie sonst nur aus Escape Rooms kennt. Ein Rätsel, das sich erst auflöst, wenn der Vorausfahrende abrupt abbremst und aus dem Stand eine spontane Sinneskrise in ein unangesagtes Abbiegen verwandelt.

Weitere fantastische Vorteile des Nichtblinkens:

• Man bleibt mysteriös – wer blinkt, verliert.
• Man spart Strom – wer weiß, vielleicht reicht es am Ende für die Sitzheizung.
• Man trainiert die Reaktionsfähigkeit anderer – echte Pädagogik auf der Straße.
• Man zeigt Dominanz: „Wenn ich abbiege, erfährst du es erst, wenn’s passiert.“

Und irgendwo, ganz weit entfernt vom realen Straßenverkehr, schraubt ein Arbeiter weiterhin gewissenhaft jedes einzelne Blinkergehäuse ins Auto. Ein stiller Held, dessen Werk dafür bestimmt ist, niemals benutzt zu werden. Ein Stück Hoffnung im globalen Chaos der Richtungsignoranz.

Die Brandmauer

Freitag, 24. April 2026

Panzer für Schwangere - Frauen und Kinder zuerst ...

 Die Bundeswehr vermeldet stolz ihren jüngsten Geniestreich: Spezialpanzer für schwangere Soldatinnen. Endlich, sagen die einen, denn nichts ruft „moderne Armee“ so laut wie ein zwölf Tonnen schweres Gefährt mit integrierter Hebamme. Kritiker fragen sich zwar, ob man werdende Mütter vielleicht auch einfach nicht in Gefechtszonen schicken könnte, aber das wäre natürlich viel zu unflexibel. Innovation beginnt schließlich da, wo der gesunde Menschenverstand längst kapituliert hat.





Die Panzer sollen laut Ministerium eine „Vereinbarkeit von Familie und Front“ ermöglichen. Innen gibt es angeblich alles: ausklappbare Wickelstation, gepanzerte Wiege, und – man höre und staune – eine „Gefechts‑Gynäkologie“. Der Steuerzahler zahlt das gern, denn wer hätte nicht schon immer davon geträumt, dass das Verteidigungsbudget zur Geburtsvorbereitung beiträgt?

Doch das Beste ist die Einsatzdoktrin: Im Ernstfall rollt die werdende Mutter im Panzer an die Front, gibt zwischen zwei Wehen noch ein, zwei taktische Befehle und fährt dann direkt in den Kreißsaal — mit Active Protection System gegen unfreundliche Glückwünsche.

Einige sagen: Das sei Satire. Die Bundeswehr sagt: „Warten Sie ab, die Ausschreibung läuft schon.“


Die Brandmauer

Donnerstag, 23. April 2026

Die Wahrheit über Autobahn Baustellen ....


Wer glaubt, eine Autobahnbaustelle sei dazu da, eine Autobahn zu reparieren, glaubt wahrscheinlich auch, ein Ministerium diene in erster Linie der Lösung von Problemen. Das ist niedlich, aber realitätsfern. Denn der wahre Zweck vieler Baustellen liegt längst offen zutage, man muss nur bereit sein, ihn zu sehen: Sie sind keine Orte des Bauens, sondern des Abstellens. Keine Werkstätten der Moderne, sondern Lagerflächen mit Warnblinklicht.




Der Staat sagt „Sanierungskorridor“, der Bürger sagt „Schon wieder einspurig“, und der Eingeweihte weiß: Irgendwo musste die Dampfwalze halt hin.

Das Grundproblem ist simpel. Straßenbauunternehmen haben Material. Sehr viel Material. Warnbaken, Schilderträger, mobile Lichtanlagen, Bauzäune, Fräsen, Walzen, Anhänger, Container, zwei halbdefekte Stromaggregate und mindestens einen Transporter, dessen TÜV nur noch aus Tradition gilt. Was sie nicht haben, sind ausreichend Stellflächen. Lagerhöfe kosten Geld, Gewerbeflächen sind knapp, und irgendwo zwischen Vergaberecht, Ausschreibung, Zuständigkeit und dem deutschen Kulturgut „Das haben wir schon immer so gemacht“ kam man offenbar zu einer bestechend einfachen Lösung: Wenn man das Zeug auf dem eigenen Hof nicht mehr unterbringt, erklärt man eben einen Abschnitt der Autobahn zur Baustelle und stellt es dort ab.

So wird aus Platzmangel Infrastrukturpolitik.

Das Schöne daran ist ja die Eleganz der Maßnahme. Eine Lagerhalle wirft Fragen auf. Eine gesperrte Spur mit 80er-Limit dagegen wirkt seriös. Sie hat etwas Amtliches. Etwas Unangreifbares. Wer wollte sich schon gegen eine Baustelle stellen? Gegen Fortschritt? Gegen Investitionen? Gegen die Zukunft des Standorts? Also steht der Bürger morgens im Stau, blickt auf 6,4 Kilometer verengte Fahrbahn und denkt: Wenigstens wird hier etwas gemacht. Tatsächlich wird dort vor allem eines gemacht: geparkt.

Und zwar nicht schlecht. Deutschland hat das Abstellen von Straßenbaumaterial zu einer eigenen Choreografie entwickelt. Zuerst kommen die Vorboten: das Gefahrzeichen, dann Tempo 80, dann 60, dann Überholverbot, dann eine Warnleuchte, dann eine weitere, dann 400 Meter nichts. Danach drei Warnbaken in loser Formation, als hätten sie sich zu einem Betriebsausflug verabredet. Dann ein Schilderwagen. Dann wieder nichts. Dann, irgendwo am Horizont, majestätisch und vollkommen unberührt: eine Dampfwalze. Nicht im Einsatz, nicht warm, nicht einmal sichtbar beschäftigt. Sie steht einfach nur da, als sei die Autobahn ein kostenloser Stellplatz für schweres Gerät.

Und genau das ist sie inzwischen offenbar.

Nehmen wir Rüdiger, Straßenbauarbeiter, 54, ein Mann mit der emotionalen Farbpalette von Fräsgut und dem aufrechten Gang eines Menschen, der seit drei Jahrzehnten morgens um halb sechs Maschinen startet, die älter sind als mancher Abteilungsleiter. Rüdiger ist kein Träumer. Rüdiger ist Pragmatiker. Wenn irgendwo eine Spur gesperrt wird, fragt er nicht „Warum?“, sondern „Für wie lange?“ und „Steht da schon was drauf?“

Eines Morgens ruft der Chef ihn ins Büro. Also nicht direkt ins Büro, eher in einen Raum mit Kaffeemaschine, Wandkalender von 2019 und einem Tisch, auf dem Baupläne so lange liegen, bis sie historischen Wert bekommen.

„Rüdiger“, sagt der Chef und blickt dabei in eine Mappe, die vermutlich leer ist, aber wichtig aussieht, „fahr mal auf die A4x zwischen Kilometer 19,4 und 28,6 und hol die Dampfwalze und die Warnbaken. Die stehen da noch von letzter Woche. Und wenn du den kleinen Schilderanhänger siehst, nimm den auch mit. Wir brauchen Platz für die Fräse.“

Dieser eine Satz erklärt das ganze Wesen deutscher Infrastruktur besser als hundert Regierungserklärungen. Nicht die Straße braucht die Baustelle. Die Baustelle braucht die Straße.

Rüdiger fährt los. Nicht zu einem Einsatzort, sondern zu einem Außenlager mit Asphaltanschluss. Auf dem Weg dorthin quält sich der Berufsverkehr durch jene künstlich verengte Trasse, die offiziell der Verkehrssicherheit dient, praktisch aber vor allem sicherstellt, dass niemand zu dicht an den abgestellten Geräten vorbeifährt. Auch Ordnung muss schließlich sein. Deutschland ist vielleicht nicht mehr überall Weltspitze, aber wenn es darum geht, stillstehende Maschinen mit maximalem Beschilderungsaufwand zu umwehen, macht uns so schnell keiner etwas vor.

Vor Ort bietet sich das gewohnte Bild. Eine kilometerlange Baustellenführung, sauber eingerichtet, präzise beschildert, mit Leitbaken in einer Dichte, als rechne man jederzeit mit dem Durchmarsch einer mittelgroßen Armee. Dahinter: eine Dampfwalze, 43 Warnbaken, zwei zusammengefaltete Absperrgitter, ein alter Schilderträger und ein Baustellenfahrzeug, das so lange unbewegt dort steht, dass es wahrscheinlich schon in lokalen Vogelzugkarten als Orientierungspunkt auftaucht.

Ein Schild verkündet: „Straßenbauarbeiten“.

Das ist die sprachliche Meisterleistung des Ganzen. „Straßenbauarbeiten“ kann in Deutschland alles bedeuten. Es kann heißen: Hier wird gebaut. Es kann heißen: Hier wird bald gebaut. Es kann heißen: Hier wurde neulich mal etwas vermessen. Es kann aber auch heißen: Hier stehen seit acht Tagen Maschinen herum, weil der Bauhof voll ist und niemand weiß, wohin mit dem Zeug. Verwaltungssprache ist eben die hohe Kunst, ein Platzproblem wie ein Modernisierungsprojekt aussehen zu lassen.

Rüdiger steigt aus, zählt die Warnbaken durch und murmelt: „Zwei fehlen.“
Der Kollege am Telefon sagt: „Dann guck mal weiter hinten bis Kilometer 28,6. Da müsste noch ein Rest von der Winterbaustelle stehen.“
Eine Winterbaustelle. Ende April. Natürlich. In Deutschland verwittern Baustellen nicht, sie reifen.

Man muss dem System fast Respekt zollen. Andere Länder lagern Material in Depots. Deutschland lagert Hoffnung im öffentlichen Raum. Jede Baustelle verspricht unterschwellig, dass sich hier bald etwas verbessert. Dass investiert wird. Dass der Staat handelt. Dass die Dinge vorangehen. Und während der Bürger sich mit dieser Erzählung tröstet, steht hinter der Absperrung ein Schilderwagen, den seit vier Wochen niemand angefasst hat.

Politisch ist das eigentlich genial. Eine echte Lösung für marode Infrastruktur wäre teuer, langwierig und messbar. Eine Baustelle dagegen ist sofort da, sichtbar, fotogen und bei Bedarf beliebig verlängerbar. Sie symbolisiert Tätigkeit, ohne deren Ergebnis voreilig vorwegzunehmen. In der Politik nennt man so etwas inzwischen vermutlich Prozessoffenheit.

Die Baustelle ist damit das perfekte Sinnbild moderner Verwaltung: maximaler Eingriff bei minimaler Erkennbarkeit des Nutzens. Der Verkehr wird eingeschränkt, die Geduld der Bürger beansprucht, Steuergeld fließt, Schilder stehen, Fahrzeuge rollen an und ab — und doch bleibt die eigentliche Leistung oft so unsichtbar, dass man nicht weiß, ob hier gearbeitet, geplant oder lediglich zwischengeparkt wird.

Gerade deshalb lieben Institutionen Baustellen so sehr. Sie sind der gebaute Konjunktiv des Staates. Nicht die fertige Straße zählt, sondern die glaubhafte Behauptung, man sei dran.

Rüdiger weiß das alles natürlich nicht in diesen Worten, aber er versteht es instinktiv. Er lädt die Dampfwalze auf, stapelt die Warnbaken zusammen und meldet sich beim Chef.

„Hab alles. Wohin damit?“
Kurze Pause. Rascheln. Irgendwo wird ein Keks gegessen.
„Stell die Walze erstmal auf die B-Umfahrung hinterm Kreuz. Da ist noch ein alter Baustellenabschnitt aktiv. Die Baken kannst du auf der A4x lassen, wir brauchen die vielleicht nächste Woche wieder. Oder morgen. Je nachdem, ob der Prüfer kommt.“

Das ist der eigentliche Kern der Sache: Baustellen sind nicht mehr Ergebnis von Arbeit, sondern Voraussetzung für Materialunterbringung, Prüfungsfestigkeit und institutionelles Wohlbefinden. Sie sind die Mehrzweckhalle des Straßenbaus. Man kann dort lagern, sichern, parken, anordnen, dokumentieren und bei Bedarf sogar kurz arbeiten, falls jemand von oben fragt.

Natürlich wird offiziell niemand sagen: „Wir haben die rechte Spur der A4x gesperrt, weil wir auf dem Hof keinen Platz mehr für die Dampfwalze hatten.“ Man wird von Maßnahmenpaketen sprechen, von vorbereitenden Eingriffen, von temporären Verkehrsführungen, von logistischen Erfordernissen im Bauablauf. Das klingt besser und hat den Vorteil, dass sich niemand darunter konkret etwas vorstellen kann. Wo Sprache unverständlich genug wird, beginnt in Deutschland die Unangreifbarkeit.

Am Ende bleibt der Autofahrer zurück, leicht verspätet, leicht wütend und leicht benebelt vom orangefarbenen Dauerfeuer des öffentlichen Raums. Er sieht Maschinen, Schilder, Baken, Absperrungen und fragt sich, warum auf elf Kilometern kein einziger Mensch arbeitet. Die Antwort wäre entwaffnend ehrlich: Weil das hier heute keine Baustelle im klassischen Sinn ist. Das hier ist eine Art gewerbliche Zwischenlagerung mit Tempolimit.

Und morgen, wenn das nächste Unternehmen feststellt, dass hinter Halle 2 schon wieder kein Platz mehr ist, wird irgendwo eine weitere Spur verschwinden. Ein neues Schild wird aufgestellt. Eine neue Kolonne wird ausgebremst. Ein neuer Abschnitt wird offiziell „in Maßnahme“ sein. Und wieder wird der Bürger denken, jetzt gehe es endlich voran.

Während Rüdiger auf der A4x zwischen Kilometer 19,4 und 28,6 den Motor abstellt, die letzten Warnbaken sortiert und vom Chef den nächsten Auftrag bekommt:

„Hör mal, Rüdiger — wenn du schon da bist, guck bitte auch nach der alten Fräse. Die müsste noch hinter der Behelfsbeschilderung stehen. Und falls auf der Gegenfahrbahn Platz ist, stellen wir den Radlader auch noch rüber. Aber mach ordentlich Baustelle draus. Nicht, dass es am Ende aussieht, als würden wir da nur unser Zeug lagern.“


Die Brandmauer

Dienstag, 21. April 2026

Denk Mal ...




Früher war die Welt offenbar für Menschen mit Resthirn gebaut: In der Bedienungsanleitung stand, wie man das Ventilspiel am Fahrzeug einstellt. Heute steht drin, dass man den Inhalt der Batterie bitte nicht trinken soll. Der technische Fortschritt ist geblieben – nur der Zielgruppenwechsel ist brutal.

Auch die Hinweise sind nicht mehr das, was sie mal waren. Die Feuerwehr muss inzwischen ernsthaft empfehlen, im Brandfall zuerst das Haus zu verlassen, bevor man seinen aktuellen Status im Social Network teilt. Prioritäten, wie sie das Internet erzogen hat: erst „Es brennt lol 🔥“, dann vielleicht Fluchtversuch.
Und natürlich der kulinarische Endgegner der Gegenwart: der Warnhinweis im Fast-Food-Laden, dass der Burger heiß ist. Gut, dass das dabeisteht. Nicht auszudenken, jemand würde sonst völlig überrascht feststellen, dass ein frisch zubereitetes warmes Gericht… warm ist.
Man bekommt langsam den Eindruck, der Mensch entwickelt sich technisch nach vorn und geistig rückwärts. Früher konnte man mit einem Schraubenschlüssel, einem Handbuch und gesundem Menschenverstand durchs Leben gehen. Heute braucht es drei Warnaufkleber, zwei Sicherheitshinweise und vermutlich ein Tutorial, damit keiner versucht, den Föhn mit unter die Dusche zu nehmen.

Die Brandmauer

Große Preis von Parkplatzien – Das epische Wochenende der Sonntagsfahrer


Willkommen zur heißesten Motorsport-Serie des Landes: der Grand Prix der Sonntagsfahrer, dem einzigen Rennen, das sich mit konsequenter Entschleunigung, taktischem Blinken und einem ausgewogenen Verhältnis aus Wackeldackel und Panikbremsung in die Herzen aller schleppenden Verkehrsteilnehmer fährt.




Und hier die Info zum Ablauf:

Donnerstag: Freies Training

Während Normalsterbliche noch arbeiten, starten die Sonntagsfahrer ihr freies Training. Hier wird präzise ein- und ausgeparkt – bevorzugt quer über zwei Stellplätze, um „den Lack zu schonen“. Der Klassiker: 15 Minuten Rückwärtsgang mit Blick starr in die Rückfahrkamera, um anschließend festzustellen, dass man immer noch in der Parklücke des Nachbarn steht.

Motorleistung? Egal. Hauptsache, die Hutablage ist ordentlich mit einer Ansammlung nostalgischer Artefakte ausstaffiert: ein Wackeldackel, der bei jeder Kurve nickt, und daneben ein Strohhut, der schon 1984 mit nach Rimini durfte.

Freitag: Qualifying

Das Qualifying findet traditionell auf der Landstraße Richtung Supermarkt statt. Ziel: der beste Startplatz vor dem Discounter mit den XXL-Angeboten. Ab Startsignal (Opa Karl legt den ersten Gang ein) verwandelt sich der Parkplatz in eine pulsierende Arena.

Mit 42 km/h im dritten Gang wird über die Gerade gebrettert, dicht gefolgt vom silbernen Kompaktwagen mit der Aufschrift „SOS – Holt mir einen Priester“ auf der Heckklappe – ein Symbol tiefer Dankbarkeit, dass der Wagen überhaupt noch läuft.

Samstag: Proberennen

Am Samstagmorgen um 8:30 Uhr startet das Proberennen: Aufbruch zur Bäckerei mit Zwischenstopp an jeder roten Ampel (auch an denen, die schon grün sind). Dabei werden entscheidende Techniken trainiert:

  • Das Übersehen des Blinkers als taktisches Mittel der Verwirrung.
  • Der klassische Linksschwung aus der Rechtsabbiegerspur.
  • Und natürlich die hohe Kunst des Tempo-70-Zuges in der 100er-Zone – das Bindeglied einer ganzen Sonntagsfahrer-Dynastie.

Sonntag: Das Hauptrennen

Der große Tag. Ab 9:00 Uhr donnern die Kandidaten auf die Bundesstraßen. Staus? Pflicht! Kilometerlange Autoschlange, Auspuff an Auspuff, während vorne Oma Hilde in ihrem Corsa die Landschaft genießt und mit der rechten Hand rhythmisch zum Takt des Wackeldackels nickt.

Die Autobahn wird zur spirituellen Erfahrung: Zwischen 80 km/h und 81 km/h entfaltet sich das Zen des Sonntagsfahrens. Die Autobahnraststätte wird zum Boxenstopp. Dort gibt’s Kaffee aus der Thermoskanne und Butterbrote mit Frischhaltefolien-Aerodynamik.

Der Zieleinlauf? Irgendwann zwischen Sonntagabend und Mittwochmittag – je nach Ampelphase, Orientierungssinn und Baustellenlage.

Nach dem Rennen

Die Sieger stehen fest: alle, die es geschafft haben, das Auto ohne Beule, aber mit authentischem Schweißfilm an den Fingern zurück in die Garage zu bringen.

Und kaum ist der Motor aus, ertönt in allen Reihen der Sonntagsfahrer-Nation ein leises, aufgeregtes Knistern:
„Morgen ist Donnerstag – freies Training beginnt!“


Quelle: Die Brandmauer

Montag, 20. April 2026

Ein Auto - viele die es gleichzeitig lenken wollen

In einem Fahrzeug namens Deutschland sitzen CDU, SPD, Grüne und AfD – und etliche andere dicht gedrängt, denn der Wagen hat zwar viele Lenkräder, ein klares Ziel - aber keinen klaren Fahrer. Alle im Deutschland der Serie BRD 2026 halten sich fest, schwitzen und rufen durcheinander: „Wir wissen, wo’s langgeht!“ Nur: keiner meint denselben Weg.





Die CDU tritt aufs Gas – aber mit dem Blick in den Rückspiegel. Die SPD schaltet gleichzeitig in den dritten Gang, dreht sich dabei kurz um und fragt nervös: „Fahren wir überhaupt sozial gerecht genug?“ Die Grünen ziehen beherzt an der Handbremse, weil der Wagen doch zu viel CO₂ ausstößt. Und die AfD will am liebsten aussteigen und behauptet, das Auto sei sowieso nie deutsch gewesen und überhaupt an sich viel zu teuer.
Währenddessen wackelt das Auto auf der Straße in Richtung „ZIEL“, ein Schild am Horizont, das ein wenig schief hängt und fast nicht sichtbar ist.
Am Straßenrand winken Omas mit Rollatoren und rufen „Passt auf, dass ihr nicht rechts in den Graben fahrt!“, daneben grölen Glatzköpfe „Links abbiegen verboten!“ Und überhaupt wirkt die ganze Szene ein wenig linksgrün versifft bis rechts extrem.
Das Auto hupt, ruckelt, quietscht – und fährt trotzdem weiter, denn irgendwie hält der deutsche Motor auch dann noch durch, wenn alle gleichzeitig am Steuer drehen. Nur das Navi meldet verzweifelt:
„Die Route wird neu berechnet" … zum hundertsten Mal.

Quelle:
Die Brandmauer

Zuckersteuer schützt die Bürger vor sich selbst ...

 Die Bundesregierung erklärt stolz: „ Die neue Zuckersteuer schützt die Bürger vor sich selbst!“ Endlich, sagen viele, denn wer kennt es ni...