Es war einmal die berühmte Regenbogenbrücke, ein ehrwürdiges Bauwerk zwischen den Welten. Seit Generationen überquerten Hunde, Katzen, Kaninchen und zahllose andere verstorbene Tiere die schillernde Brücke auf ihrem Weg zu den ewigen Wiesen.
Doch die Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen. Hier ein Riss, dort etwas Rost, und an manchen Stellen fehlte schon mehr Farbe als Beton. Nicht nur die Tiere tuschelten besorgt.
„Hat denn niemand nach der Brücke geschaut?“, fragte der alte Bernhardiner Bruno.
Eines Tages erschienen feierlich die Experten von Straßen ins Jenseits und der Autobahn Wartung. Ausgerüstet mit Klemmbrettern, Messgeräten und Warnwesten untersuchten sie die Konstruktion.
Nach zahlreichen Sitzungen, Gutachten, Arbeitskreisen und einer Präsentation mit 148 Powerpoint-Folien verkündeten sie:
„Die Tragfähigkeit ist grundsätzlich gegeben. Allerdings wird die Regenbogenbrücke vorsorglich zunächst für Großtiere gesperrt. Nutzbar ist diese Brücke ja eh nur in eine Richtung“
Daraufhin stellte man ein neues Schild auf:
„Für Großtiere gesperrt“
Der Elefant Erwin, der gerade nach einem langen Leben angekommen war, blieb verwundert stehen.
„Und was mache ich jetzt?“
„Bitte haben Sie Verständnis“, erklärte ein Sprecher. „Politik und Wirtschaft arbeiten bereits an tragfähigen Konzepten und Lösungen.“
„Wann?“, fragte Erwin.
„Sobald die Machbarkeitsstudie für den Vorentwurf der Grundlagenplanung der vorbereitenden Sanierungsstrategie abgeschlossen ist.“
„Und wann ist das?“
„Voraussichtlich nach Abschluss der Abstimmungen über die Terminplanung für die Ausschreibung der Voruntersuchungen.“
Der Elefant seufzte und setzte sich neben die Giraffe Gertrud und das Nashorn Norbert, die ebenfalls vor dem Schild warteten.
Inzwischen wurden zahlreiche Arbeitsgruppen gegründet. Vertreter aus Politik und Wirtschaft präsentierten ehrgeizige Pläne:
- eine nachhaltige Brückensanierung,
- eine innovative Tierverkehrsstrategie,
- ein Kompetenzzentrum für Regenbogeninfrastruktur,
sowie einen Runden Tisch „Zukunft der Jenseitsmobilität“.
Die Presse sprach von einem „historischen Meilenstein“.
Währenddessen überquerten weiterhin Mäuse, Hamster und Wellensittiche unbehelligt die alte Brücke. Nur vor dem Schild für Großtiere wurde die Warteschlange immer länger.
Der Elefant Erwin blickte eines Abends auf die funkelnde Brücke und murmelte:
„Vielleicht erleben wir die Sanierung ja noch …“
Das Nashorn Norbert nickte, das Pferd Jumper gab sich skeptisch.
„Bestimmt. Immerhin arbeiten sie bereits an den Plänen für die Planung der Planungen.“
Und so warteten die Großtiere geduldig weiter – ganz im Vertrauen darauf, dass irgendwann zwischen Gutachten, Arbeitskreisen und Pressekonferenzen vielleicht sogar eine Brücke repariert werden könnte.
Die Brandmauer






