Willkommen zur heißesten Motorsport-Serie des Landes: der Grand Prix der Sonntagsfahrer, dem einzigen Rennen, das sich mit konsequenter Entschleunigung, taktischem Blinken und einem ausgewogenen Verhältnis aus Wackeldackel und Panikbremsung in die Herzen aller schleppenden Verkehrsteilnehmer fährt.
Und hier die Info zum Ablauf:
Donnerstag: Freies Training
Während Normalsterbliche noch arbeiten, starten die Sonntagsfahrer ihr freies Training. Hier wird präzise ein- und ausgeparkt – bevorzugt quer über zwei Stellplätze, um „den Lack zu schonen“. Der Klassiker: 15 Minuten Rückwärtsgang mit Blick starr in die Rückfahrkamera, um anschließend festzustellen, dass man immer noch in der Parklücke des Nachbarn steht.
Motorleistung? Egal. Hauptsache, die Hutablage ist ordentlich mit einer Ansammlung nostalgischer Artefakte ausstaffiert: ein Wackeldackel, der bei jeder Kurve nickt, und daneben ein Strohhut, der schon 1984 mit nach Rimini durfte.
Freitag: Qualifying
Das Qualifying findet traditionell auf der Landstraße Richtung Supermarkt statt. Ziel: der beste Startplatz vor dem Discounter mit den XXL-Angeboten. Ab Startsignal (Opa Karl legt den ersten Gang ein) verwandelt sich der Parkplatz in eine pulsierende Arena.
Mit 42 km/h im dritten Gang wird über die Gerade gebrettert, dicht gefolgt vom silbernen Kompaktwagen mit der Aufschrift „SOS – Holt mir einen Priester“ auf der Heckklappe – ein Symbol tiefer Dankbarkeit, dass der Wagen überhaupt noch läuft.
Samstag: Proberennen
Am Samstagmorgen um 8:30 Uhr startet das Proberennen: Aufbruch zur Bäckerei mit Zwischenstopp an jeder roten Ampel (auch an denen, die schon grün sind). Dabei werden entscheidende Techniken trainiert:
- Das Übersehen des Blinkers als taktisches Mittel der Verwirrung.
- Der klassische Linksschwung aus der Rechtsabbiegerspur.
- Und natürlich die hohe Kunst des Tempo-70-Zuges in der 100er-Zone – das Bindeglied einer ganzen Sonntagsfahrer-Dynastie.
Sonntag: Das Hauptrennen
Der große Tag. Ab 9:00 Uhr donnern die Kandidaten auf die Bundesstraßen. Staus? Pflicht! Kilometerlange Autoschlange, Auspuff an Auspuff, während vorne Oma Hilde in ihrem Corsa die Landschaft genießt und mit der rechten Hand rhythmisch zum Takt des Wackeldackels nickt.
Die Autobahn wird zur spirituellen Erfahrung: Zwischen 80 km/h und 81 km/h entfaltet sich das Zen des Sonntagsfahrens. Die Autobahnraststätte wird zum Boxenstopp. Dort gibt’s Kaffee aus der Thermoskanne und Butterbrote mit Frischhaltefolien-Aerodynamik.
Der Zieleinlauf? Irgendwann zwischen Sonntagabend und Mittwochmittag – je nach Ampelphase, Orientierungssinn und Baustellenlage.
Nach dem Rennen
Die Sieger stehen fest: alle, die es geschafft haben, das Auto ohne Beule, aber mit authentischem Schweißfilm an den Fingern zurück in die Garage zu bringen.
Und kaum ist der Motor aus, ertönt in allen Reihen der Sonntagsfahrer-Nation ein leises, aufgeregtes Knistern:
„Morgen ist Donnerstag – freies Training beginnt!“
Quelle: Die Brandmauer

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen