Es begann, wie alle großen Katastrophen beginnen: mit einem Influencer und einem Selfie. Im Frühjahr, als die Welt gerade die letzte Corona-Maske in die Schublade „Erinnerungen an 2020“ legte, beschloss ein junger Foodblogger namens Kevin-Kai, dass die Menschheit dringend ein neues Superfood brauche. Quinoa war durch, Chiasamen zu langweilig, und Avocados hatten wegen ihres Wasserverbrauchs ein Imageproblem. Da entdeckte er auf einer Reise durch die Wälder Ostasiens eine kleine, pelzige Sensation: die Waldmaus.
„Proteinreich, nachhaltig, regional – und sooo süß!“, schrieb er unter sein erstes Video, in dem er eine Maus auf der Hand hielt und ihr ein Stück veganes Käseimitat anbot. Innerhalb von Stunden trendete der Hashtag #MouseMealChallenge. Millionen Menschen weltweit wollten plötzlich wissen, wie man Mäuse richtig zubereitet – roh, gebraten oder fermentiert.
Was niemand ahnte: Die Maus war nicht nur reich an Eiweiß, sondern auch an einem kleinen, unscheinbaren Bonus – dem Hantavirus. Ein Virus, das bis dahin friedlich in den Mäusepopulationen lebte und sich über die Dummheit der Menschen keine Sorgen machen musste. Doch dann kam TikTok.
Innerhalb weniger Wochen verbreitete sich das Virus schneller als ein Rabattcode für Desinfektionsmittel. Die ersten Symptome ähnelten – natürlich – einer „leichten Erkältung“. Gesundheitsministerien weltweit gaben beruhigende Pressekonferenzen: „Kein Grund zur Panik. Es ist nur eine Mausgrippe.“ Doch schon bald kursierten Videos von Menschen, die in Supermärkten Klopapier horteten, diesmal „für alle Fälle“.
Die Parallelen zur Corona-Pandemie waren unübersehbar. Wieder gab es Maskendebatten („Bringt das was gegen Mäusekot?“), Impfgegner („Das Virus ist eine Erfindung der Pharmaindustrie, um Käse zu verkaufen!“) und Hamsterkäufe – wobei der Begriff diesmal wörtlich zu nehmen war, denn Hamster (Anmerkung der Redaktion Die Brandmauer: Hamster / Maus: Die selbe Gattung - andere Spezies - schmeckt aber gleich)
galten plötzlich als „natürliche Gegenspieler der Maus“.
Wissenschaftler arbeiteten fieberhaft an einem Impfstoff, während Verschwörungstheoretiker behaupteten, Bill Gates habe die Mäuse persönlich gezüchtet. In Talkshows diskutierten Experten über die ethische Verantwortung von Influencern, während Kevin-Kai in einem Livestream beteuerte, er habe „nur das Bewusstsein für nachhaltige Ernährung fördern“ wollen.
Nach Monaten des Chaos, Lockdowns und einer kurzlebigen Modewelle für Ganzkörper-Mäuseanzüge („HantaCouture“) wurde schließlich ein Impfstoff gefunden – entwickelt von einem Team aus Virologen, Tierärzten und einem ehemaligen Käsehersteller. Die Menschheit atmete auf, schwor sich Besserung und versprach, nie wieder in die Natur einzugreifen.
Bis ein Jahr später ein neuer Trend auftauchte: #BatSmoothieChallenge.
Und irgendwo in einer Höhle grinste eine Fledermaus.

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