Montag, 27. April 2026

Heute schon .... geblinkt ?

 



Der Blinker ist ja längst kein simples Fahrzeugteil mehr, sondern ein Symbol – für Hoffnung, Verzweiflung und die völlig überschätzte Idee, anderen mitzuteilen, was man vorhat. Während manche Menschen von Depressionen zerdrückt werden und sich fragen, wozu sie überhaupt noch aufstehen sollen, gibt es irgendwo in einem Werk für PKW diesen einen Arbeiter, der stoisch, beinahe heldenhaft, wieder einen Blinker in einen Neuwagen einbaut. Klack. Ein Licht geht auf – wenn schon nicht im Leben der Betroffenen, dann wenigstens am Kotflügel eines SUV. Trost kann so seltsam aussehen.


Und dann die datenschutzrechtliche Revolution: „Blinken? Es geht niemandem etwas an, wo ich hin will.“ Absolut richtig. Man ist schließlich kein offener Google-Maps-Eintrag, sondern ein souveräner Bürger, der seine Richtungsentscheidungen geheim hält wie eine Staatsaffäre. Der Blinker – offiziell fürs Abbiegen gedacht, praktisch aber die letzte Bastion persönlicher Freiheit.

Dabei ist das „Nichtblinken“ längst Volkssport. Ein gesellschaftliches Spiel, ähnlich wie Sudoku – nur mit höherem Adrenalinspiegel. Für die hinterherfahrenden Familien ist es eine wunderschöne Gelegenheit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Papa fährt, Mama hält sich an der Kopfstütze fest, die Kinder kreischen: „Ich glaube links!“ – „Nein, rechts, rechts!“ – „Vielleicht fährt er einfach mitten rein!“ Es ist Qualitätszeit, wie man sie sonst nur aus Escape Rooms kennt. Ein Rätsel, das sich erst auflöst, wenn der Vorausfahrende abrupt abbremst und aus dem Stand eine spontane Sinneskrise in ein unangesagtes Abbiegen verwandelt.

Weitere fantastische Vorteile des Nichtblinkens:

• Man bleibt mysteriös – wer blinkt, verliert.
• Man spart Strom – wer weiß, vielleicht reicht es am Ende für die Sitzheizung.
• Man trainiert die Reaktionsfähigkeit anderer – echte Pädagogik auf der Straße.
• Man zeigt Dominanz: „Wenn ich abbiege, erfährst du es erst, wenn’s passiert.“

Und irgendwo, ganz weit entfernt vom realen Straßenverkehr, schraubt ein Arbeiter weiterhin gewissenhaft jedes einzelne Blinkergehäuse ins Auto. Ein stiller Held, dessen Werk dafür bestimmt ist, niemals benutzt zu werden. Ein Stück Hoffnung im globalen Chaos der Richtungsignoranz.

Die Brandmauer

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