Die dunkle Jahreszeit ist wieder da - und mit ihr die Rad- und E-Scooterfahrer im Tarnkappenmodus.
Neon schwarze Jacke, leuchtend schwarze Hose, kein Licht und dazu ein beherzter Spurwechsel: Wer braucht schon Sichtbarkeit, wenn er fest an die übernatürlichen Reflexe aller Autofahrer glaubt? Besonders beliebt ist die Disziplin "plötzlich aus dem Nichts auftauchen" - gern bei Regen, in der Dämmerung und auf einer unbeleuchteten Kreuzung.
Das Licht am Fahrrad oder Scooter bleibt natürlich aus. Der Akku soll ja geschont werden. Stattdessen setzt man konsequent auf das bewährte Sicherheitskonzept: Die anderen werden mich schon irgendwie sehen.
Spoiler: Werden sie nicht.
Und auch eine Warnweste im Rucksack entfaltet nur dort ihre volle Wirkung - ungefähr wie ein Feuerlöscher im Keller, während die Küche brennt.
Wer sich bei herbstlicher oder winterlicher Dunkelheit nahezu unsichtbar durch den Straßenverkehr bewegt, riskiert nicht nur einen Unfall, sondern spielt unfreiwillig Hauptdarsteller in einem sehr kurzen Horrorfilm. Ein Organspendeausweis wäre da zwar eine makaber konsequente Ergänzung zur Ausrüstung - besser wären allerdings eingeschaltetes Licht, Reflektoren und ein Rest Selbsterhaltungstrieb - letzterer wird allerdings nur von einem eingeschalteten Hirn gesteuert ...
Denn so nah dieses Verhalten manchmal an einen Suizidversuch mit Vorfahrt erinnert: Ein schwerer Unfall trifft nie nur den unbeleuchteten Fahrer. Auch andere Verkehrsteilnehmer müssen mit den Folgen leben.
Also: Licht an. Sichtbar machen. Leben behalten. Der Straßenverkehr ist kein Videospiel - und es gibt keinen Respawn - und in der Regel auch kein weiteres Leben so das man den Weg nochmal von vorn beginnen könnte.
Und wer nun denkt: Jaaa - auf die Autofahrer wird wieder nicht rum gehackt: Doch - Liebe Autofahrer - auch ihr seid nicht immer Sichtbar. Natürlich gibts bei vielen Fahrzeugen das Tagfahrlicht - allerdings nur vorn - und im Nebel, der in dieser Jahreszeit schon mal über die Felder und Wiesen - aber auch über die Strassen zieht, seid ihr unsichtbar.
Also denkt an die Faustregel: Im Regelfall fährt man nicht um was man sieht. Und auch wenn du die Farbe deiner Klamotten erst dann änderst wenn es was dunkleres als Schwarz gibt: Im Straßenverkehr sollte man diese Einstellung überdenken.
